
5 Jahre Pandemie: Jeder Zehnte ist sich unsicher, ob er an Long COVID erkrankt ist
2025-03-18
Autor: Lukas
Fast jeder Zehnte ist unsicher, ob er an Long COVID leidet oder nicht. Diese alarmierenden Erkenntnisse stammen aus einer neuen Analyse von Umfragedaten, die fünf Jahre nach dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie durchgeführt wurde. Die Pandemie zwang Millionen Menschen weltweit, mehrere Monate in Quarantäne zu verbringen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.
Die aktuelle Studie basiert auf einer umfassenden Umfrage des National Health Service (NHS) England, bei der mehr als 750.000 Teilnehmer befragt wurden. Die Ergebnisse wurden am Dienstag in der Fachzeitschrift Health Expectations veröffentlicht und zeigen, dass nahezu fünf Prozent der Befragten an Long COVID leiden.
Long COVID: Ein Spektrum von Beschwerden
Long COVID beschreibt eine Reihe von Symptomen, die länger als vier Wochen nach der akuten Infektion anhalten oder neu auftreten. Zu den häufigsten Beschwerden gehören extreme Müdigkeit, Gehirnnebel, Schwindel, Kurzatmigkeit und Muskelschmerzen. Die Symptome können von Person zu Person stark variieren und zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität führen.
Betroffene berichten oft von einer schwerwiegenden Erschöpfung, die sie daran hindert, ein normales Leben zu führen und ihren Alltag zu bewältigen. Viele sind sich nicht einmal sicher, ob sie tatsächlich an Long COVID leiden, was zu zusätzlichem Stress und Ungewissheit führt.
Die Benachteiligten besonders betroffen
Besonders besorgniserregend ist, dass Menschen aus benachteiligten sozialen Schichten überproportional häufig unter Long COVID leiden. Die Studie zeigt, dass eine größere Wahrscheinlichkeit für Long COVID bei Frauen, Eltern, Pflegepersonen sowie LGBTQ+ Personen vorliegt. Auch ethnische Gruppen wie Roma und Reisende sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen sind stärker betroffen.
Experte Nisreen Alwan, Professorin für öffentliche Gesundheit an der Universität Southampton, erklärt, dass die mangelnde klinische Diagnose viele Menschen im Unklaren lässt. "Wenn niemand Ihnen sagt, dass Sie Long COVID haben, bleibt man automatisch unsicher", so Alwan.
Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm
Eine Prognose für 2024, die in der renommierten Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht wurde, schätzt, dass weltweit 400 Millionen Menschen unter Long COVID leiden werden. Die ökonomischen Auswirkungen sind schockierend: Die Kosten könnten sich auf bis zu eine Billion Dollar (ca. 954,4 Milliarden Euro) summieren. Die gesundheitlichen Ungleichheiten werden durch diese Krankheit weiter verschärft, weshalb es dringend notwendig ist, auf die Bedürfnisse der Betroffenen einzugehen.
Appell für mehr Aufklärung
„Fünf Jahre nach Beginn der Pandemie ist es wichtiger denn je, über präzise Fallzahlen und Patientenbelastungen zu verfügen“, betont Danny Altmann, Professor für Immunologie am Imperial College London. Dies sei entscheidend, um effektive Diskussionen über die Planung des Gesundheitswesens und den Bedarf an medizinischer Forschung zu fördern.
Alwan und ihr Team fordern eine intensivere Aufklärung sowohl unter der Bevölkerung als auch im Gesundheitssektor, um die Long COVID-Patienten besser zu unterstützen. Viele Betroffene fühlen sich weiterhin von der Gesellschaft und dem Gesundheitswesen im Stich gelassen, weil sie nicht ernst genommen werden.
Fazit
Die absolute Notwendigkeit, die Öffentlichkeit und die Fachwelt für Long COVID zu sensibilisieren, steht fest. Um die Gesundheitskrise bewältigen zu können, sind Aufklärung, bessere Diagnosesysteme und Unterstützung für die am stärksten betroffenen Gruppen unerlässlich. Long COVID ist nicht nur eine medizinische, sondern auch eine gesellschaftliche Herausforderung, die wir nicht ignorieren dürfen.