
Vermehrte Angriffe - Was bezweckt Israel mit seinem militärischen Vorgehen in Syrien?
2025-03-29
Autor: Louis
Nur neun Tage nach dem Sturz des Assad-Regimes im vergangenen Dezember ließ sich Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit einem Helikopter weit in syrisches Staatsgebiet fliegen, auf den höchsten Gipfel der Golanhöhen, den Hermon. Er betonte, dass dieser Ort von großer Bedeutung für die Sicherheit Israels sei.
Die israelische Armee hat die gesamte demilitarisierte Pufferzone im Golan eingenommen, Checkpoints errichtet und Bodentruppen stationiert. Zudem flogen die israelischen Luftstreitkräfte Hunderte von Angriffen in ganz Syrien und vernichteten große Teile des syrischen Waffenarsenals. Im Februar erklärte Netanjahu, dass im Süden der Hauptstadt Damaskus keine syrischen Truppen toleriert werden würden und dass Syrien demilitarisiert werden müsse.
Angriffe auf Israel verhindern
Israel verfolgt das Ziel, sicherzustellen, dass es von syrischem Territorium aus nicht angegriffen werden kann, sagt Joost Hiltermann, Nahost-Direktor der International Crisis Group. "Aktuell stellt die neue syrische Regierung keine Bedrohung für Israel dar, da Israel dafür gesorgt hat, dass Syrien militärisch nicht dazu in der Lage ist, und weil die neue Regierung ihre Macht noch nicht gefestigt hat."
Syrien hat beim UN-Generalsekretär und dem UN-Sicherheitsrat gegen die israelischen Invasionen und die Verletzung der syrischen Souveränität Protest eingelegt. Hiltermann glaubt jedoch nicht, dass die Aktivitäten Israels derzeit die Hauptsorge der Regierung in Damaskus sind. Ihr Fokus liegt momentan darauf, ihre Herrschaft über Syrien zu stabilisieren.
Fragiles Gleichgewicht in Syrien
Ob es der Interimsregierung von Achmed al-Scharaa gelingt, die Kontrolle zu festigen, ist unsicher. Nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg ist das ethnisch-religiöse Gleichgewicht im Land extrem zerbrechlich, was Israel sich zunutze machen könnte, indem es gezielt einzelne syrische Minderheiten unterstützt. Hiltermann erklärt: "Wenn du deinen Feind schwächen willst, teile ihn. Teile und herrsche. Das ist eine alte Strategie, und nicht nur eine israelische."
Ein solches Vorgehen sieht man auch in anderen Regionen der Welt. "Du stellst sicher, dass dein Feind keinen starken Zentralstaat aufbauen kann, der eine echte Bedrohung für dich darstellen könnte."
Israel könnte Bogen überspannen
Dennoch besteht das Risiko, dass Israel seine Strategie überdehnt, warnt der Nahostexperte. "Wenn Israel seinen Willen militärisch durchsetzen und damit den syrischen Staat absichtlich schwächen will, könnten nicht-staatliche Akteure, die von feindlich gesinnten Staaten unterstützt werden, davon profitieren."
Ein Beispiel dafür ist die Hisbollah im Libanon, die von Iran unterstützt wird. Israel hat mehrere Kriege gegen die Hisbollah geführt, und viele Jahre stellte diese schiitische Miliz eine erhebliche Bedrohung für Israel dar.
Hiltermann beurteilt die israelische Strategie gegenüber dem neuen Syrien kritisch. In Israel fehle, wie in vielen anderen Ländern, eine weise politische Führung, die auf langfristige Sicherheit setzt. Eine solche Führung würde versuchen, das Nachbarland Syrien diplomatisch zu stabilisieren und sicherzustellen, dass Syrien nicht feindlich gesinnt ist. Dies wäre ein langfristiger Ansatz, der letztlich der Sicherheit beider Seiten zugutekommen könnte. Angesichts der fragilen Lage in der Region bleibt abzuwarten, wie sich die Situation weiterentwickeln wird.