
Allianz kündigt Kunden ohne Vorwarnung: Ein skandalöser Fall oder übliche Praxis?
2025-03-24
Autor: Nina
Im Bereich der privaten Versicherungen haben sowohl Versicherer als auch Versicherte das Recht, Verträge nach einem Schadensfall zu kündigen – mit der Ausnahme von Krankenkassen-Zusatzversicherungen. In den meisten Fällen bieten Versicherungen betroffenen Kunden vor einer Kündigung jedoch angepasste Vertragsbedingungen an, wie zum Beispiel höhere Prämien oder Selbstbehalte. Denn versteckt hinter den Zahlen stehen oft Renditeüberlegungen. Wenn ein Kunde für die Versicherung zu teuer wird, wird gehandelt.
Ein konkreter und erschreckender Fall aus der Schweiz zeigt, wie schnell es gehen kann: Eine Familie aus dem Kanton St. Gallen wurde nach über 30 Jahren Loyalität von der Allianz Versicherung gekündigt, aufgrund einer überdurchschnittlichen Anzahl an Haftpflicht-Schadenfällen. Der plötzliche Rauswurf der Familie kam völlig unerwartet; sie erhielten kein Vorabangebot zur Anpassung ihrer Verträge und fühlten sich zutiefst enttäuscht. Der Fall wurde kürzlich vom SRF-Konsumentenmagazin "Espresso" aufgegriffen, was zu regem Interesse führte.
Die Allianz reagierte zunächst mit einer Entschuldigung. Ein Sprecher der Versicherung erklärte, dass der zuständige Berater in Kontakt mit der Familie hätte treten müssen, um sie über ihre Situation zu informieren und ihnen Alternativen anzubieten. Allerdings hatte dieser Berater zu diesem Zeitpunkt bereits gekündigt, was das Versäumnis erklärt, jedoch nicht entschuldigt. Der Sprecher betonte, dass ein solches Vorgehen nicht der gängigen Praxis entspreche.
Nach der Berichterstattung meldeten sich zahlreiche ehemalige Allianz-Kunden, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten. Viele von ihnen hatten jahrzehntelang treu ihre Prämien gezahlt, nur um dann wie aus heiterem Himmel gekündigt zu werden. Ein Betroffener berichtete, dass er über 40 Jahre lang bei der Allianz versichert war. Zudem gibt es Berichte von Familien, die nach Einbrüchen gekündigt wurden oder von Kunden, die nur gelegentlich Fragen im Rahmen ihres Rechtsschutzes gestellt hatten.
Intern gibt es ebenfalls Kritik an der Allianz, da einige Mitarbeiter der Versicherung ähnliche Bedenken äußern. Ein internes Memo, das an SRF geleaked wurde, zeigt, dass Mitarbeiter das Vorgehen der Versicherung als "problematisch" empfinden und die Kündigungen in Phasen geringerer Rentabilität infrage stellen.
Auf diese interne Kritik reagierte die Allianz mit einer allgemeinen schriftlichen Stellungnahme. Man nehme das Feedback ernst, auch wenn man die speziellen Fälle nicht im Detail kenne. Die Allianz ist entschlossen, aus den Rückmeldungen zu lernen und ihre internen Prozesse weiter zu verbessern, insbesondere in der Kommunikation mit ihren Kunden. Ziel sei es, langjährigen Kunden der Allianz Suisse eine faire Lösung zur Fortführung ihrer Versicherungsbeziehungen zu bieten.
Zusätzliche Informationen deuten darauf hin, dass solche Kündigungen in der Branche nicht isoliert sind. Experten der Versicherungsbranche fordern mehr Transparenz und einen besseren Umgang mit langjährigen Kunden, während Verbraucherschützer verstärkt darauf pochen, dass Versicherungen stärker reguliert werden sollten, um solche willkürlichen Entscheidungen zu verhindern. Die Frage bleibt: Wie viele weitere Kunden werden noch aus heiterem Himmel gekündigt?