
Roman Signer: Der Kult-Künstler aus dem Appenzell, dessen Kunst die Grenzen sprengt
2025-03-30
Autor: Lukas
Wir befinden uns am Ende der Welt, im Tobel des appenzellischen Weissbad. Für den gebürtigen Appenzeller Roman Signer hat dieser Ort seit seiner Jugend eine besondere Bedeutung. Hier hat er Gummistiefel in die Luft gesprengt und sich in einem Flussbett auf einem Drehstuhl sitzend mit Raketen in der Hand in Rotation versetzt. Auch seine nächtlichen Sprengaktionen, bei denen er Lichtbögen zwischen Felsen erzeugte, haben ihn berühmt gemacht.
Signer ist ein Meister der poetischen und zugleich komischen Kunst, die immer wieder die kreative Zerstörung zelebriert. Fans und Kritiker gleichermaßen beeindruckt das, besonders wenn sie von seiner wagemutigen Kajak-Aktion hören, bei der er sich von einem Auto über Kieswege ziehen ließ, bis das Kajak unter ihm glühte.
Ab nächster Woche wird eine Auswahl seiner Installationen und Skulpturen in einer umfassenden Einzelausstellung im Kunsthaus Zürich gezeigt. Darunter auch ein einstens intaktes Kajak, das er mithilfe einer Sprengschnur in sieben Teile zerlegt hat – „in einer Tausendstelsekunde“, schwärmt der 86-Jährige in einem Gespräch.
Trotz seines Rufs als Sprengstoffkünstler ist Signers Werk durch eine bemerkenswerte Vielfalt geprägt. Er verwandelt alltägliche Objekte in Kunstwerke, wie das dreirädrige Piaggio, das er mit einer Rampe durch die Luft katapultierte. Doch der Umgang mit Sprengstoff bleibt ein zentraler Bestandteil seiner Kunst. Er erinnert sich schmunzelnd an die Zeit, als die Stadtpolizei ihm über zwanzig Jahre zuvor den Sprengstoff abnehmen wollte, als er als eidgenössisch zugelassener Sprengmeister gerade mit seiner Arbeit beschäftigt war. „Ich habe noch immer Schwarzpulver, und das ist viel gefährlicher“, sagt er mit einem Lächeln.
Von der Kinderzeit an hatte Signer eine Faszination für Sprengstoff, als er beobachtete, wie Soldaten diesen in Brücken einmauerten. Die Geschichten, die im Dorf über Befehle vom General Guisan erzählt wurden, prägten seine Kindheit. Dabei betont er, dass er trotz Kriegszeit eine unbeschwerte Jugend hatte, da seine Musikereltern oft in ihre eigenen Welten vertieft waren. Diese Freiheit und der Spielraum für Blödsinn fördern seine Überzeugung, dass Kunst oft der Ausdruck von kindlichem Unsinn ist.
Die Reise von Weissbad führte ihn unter anderem zu einer Kapelle, die nach dem Zweiten Weltkrieg vom Maler Johannes Hugentobler umgestaltet wurde. Die Einflüsse des Katholischen und des Protestantischen in seiner Heimat spiegeln sich in seiner Kunst wider, und Signer erkennt, dass seine Werke ohne die spirituellen und kulturellen Wurzeln nicht die gleiche Bedeutung hätten.
Seine künstlerische Laufbahn begann spät. Nach vielen Jahren mit Gelegenheitsjobs, während seine Frau die Familie ernährte, fand er schließlich durch den Galeristen Iwan Wirth den Weg in die Kunstwelt. Wirth sah Signer ursprünglich täglich am Wasserturm, wo dieser mit seiner provokanten Installation für großes Aufsehen sorgte. Der Wasserturm wurde als Persiflage auf St. Gallens Bürger betrachtet und entzündete leidenschaftliche Diskussionen.
In der Ausstellung im Kunsthaus Zürich wird eine seiner markantesten Arbeiten, die „Fontana di Piaggio“, präsentiert – eine ironische Übertragung des Wasserkreislaufs. Signers Werke sind inzwischen integraler Bestandteil der Schweizer Kulturlandschaft und regen weiterhin zum Nachdenken und zur Diskussion an.
Trotz seiner bescheidenen Art wurde Signer in der Kunstszene stets ernst genommen. Sein Galerist Iwan Wirth beschreibt ihn als jemanden, der die Fähigkeit hat, im Gewöhnlichen das Potenzial für Kunst zu erkennen. Signer hat auch in den sozialen Medien einen großen Einfluss, und Videos von ihm erreichen schnell ein Millionenpublikum.
„Ich habe gehört, dass ich auch auf der Straße darauf angesprochen wurde“, sagt Signer, „aber ich habe keine Zeit, mich mit der Vergangenheit zu beschäftigen. Ich bevorzuge es, etwas Neues zu schaffen“. Diese Vorliebe für Innovation spiegelt sich in jedem Aspekt seines Schaffens wider und macht ihn zu einer lebenden Legende der zeitgenössischen Kunst.