
Türkei: Jugend fordert Erdogan heraus – Groß-Demo am Samstag
2025-03-27
Autor: Sofia
Die Proteste in der Türkei gegen die Inhaftierung des populären Oppositionspolitikers Ekrem Imamoglu zeigen keine Anzeichen der Abschwächung, trotz des harten Vorgehens der Polizei. Eine Woche nach Beginn der Demonstrationen kündigte die Opposition eine Ausweitung der landesweiten Proteste an und plant für Samstag in Istanbul eine Großkundgebung. Auch am Mittwoch gingen wieder Tausende von Menschen auf die Straße – das ist der achte Abend in Folge, an dem Demonstrationen stattfanden, trotz bestehender Versammlungsverbote in Städten wie Istanbul, Izmir und Ankara.
Auslöser dieser Proteste war die Festnahme des mittlerweile abgesetzten Istanbuler Bürgermeisters Imamoglu, die mit Korruptions- und Terrorvorwürfen begründet wurde. Die Unruhe im Land richtet sich jedoch zunehmend direkt gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan. Hunderttausende Menschen haben friedlich gegen die Regierung protestiert.
Imamoglu wird als potenzieller Herausforderer von Erdogan für die Präsidentschaftswahlen 2028 angesehen und wurde von der größten Oppositionspartei CHP als Kandidat aufgestellt. Er wurde am 19. März festgenommen und ist seit Sonntag nicht mehr Bürgermeister von Istanbul.
Nach Berichten sitzt Imamoglu im Silivri-Hochsicherheitsgefängnis in Einzelhaft, bestreitet alle Vorwürfe und sieht die Behauptungen der Regierung als Versuch, ihn politisch kaltzustellen.
In Ankara kam es in der Nacht zum Donnerstag zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, als die Polizei mit Wasserwerfern, Plastikgeschossen und Pfefferspray gegen Studenten der Technischen Universität vorging. Die Polizei geht hart gegen die Protestierenden vor, und es wurden zahlreiche Festnahmen gemeldet, deren genaue Zahl jedoch unklar bleibt.
Die Protestbewegung wird vor allem von jungen Menschen getragen. Laut Berichten boykottieren viele Studenten ihre Vorlesungen als Zeichen des Widerstands. Diese Proteste, die über Telegram-Gruppen organisiert werden, zeigen das Ausmaß der Enttäuschung und Frustration über die zunehmenden sozialen und wirtschaftlichen Probleme im Land.
Die Studenten sind besonders frustriert: Die Inflation hat viele von ihnen hart getroffen, und die Aussichten auf einen gut bezahlten Job sind gering. Zudem beklagen viele die immer schlechtere Qualität der Lehre an neuen Universitäten, die von der Regierung gegründet wurden. Die türkische Lira hat in den vergangenen Jahren stark an Wert verloren, während die Lebenshaltungskosten und die Mieten in die Höhe geschossen sind.
Unter den Demonstrierenden befinden sich auch viele ältere Menschen, die sich an eine Zeit ohne Erdogan erinnern und deren Renten stark unter der Inflation leiden. Protestierende tragen oft Schilder mit Fragen wie: "Kann man sein Leben mit nur einem Mann verbringen?".
Erdogan bezeichnet die Proteste als von der Opposition angezettelte „Gewaltbewegung“ und hat sie in vielen Städten verboten. Die Polizei geht oft brutal gegen die Demonstranten vor, was einen Rückgang der Zahl von Verletzten zur Folge hat. Berichten zufolge wurden bereits mehr als 1.400 Menschen festgenommen, viele davon sind zwischen 20 und 25 Jahren alt, darunter auch Minderjährige.
Die Situation erinnert an die Gezi-Proteste von 2013, die ursprünglich aus einem Bauprojekt im Gezi-Park in Istanbul hervorgingen. Politikwissenschaftler warnen, dass die aktuellen Proteste lange andauern könnten. Sie betonen, dass das Regime Erdogans die Opposition nicht unterdrücken kann, ohne die demokratische Handlungsfähigkeit des türkischen Volkes zu gefährden. Dieser Kampf um Freiheit und soziale Gerechtigkeit wird wohl noch viele Monate anhalten.